Jump to main content

Team-Teaching-Veranstaltungen der Vergangenheit

Literaturtheorien – Jan Czarnecki, Axel Rüth

Diese Lehrveranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Slavischen Institut statt und richtet sich sprachübergreifend an Studierende, die sich für literaturtheoretische Fragen interessieren: Was ist Literatur? Was macht die Literatur mit uns? Was machen wir mit der Literatur? Wer ist der Leser, was macht das literarische Kunstwerk aus? Und ist der Autor wirklich tot? In diesem Kurs werden wir gemeinsam Grundfragen zur Literatur stellen und ausdiskutieren, Klassiker der Literaturtheorie lesen und kritisch kommentieren und uns miteinander im offenen Diskutieren üben.

Quellen historischer Fanforschung - Stephan Schröder (Skandinavistik), Stephan Packard (Medienkulturwissenschaft)

Fanforschung nimmt bevorzugt gegenwärtige Fankulturen in den Blick, zumeist im digitalen Raum. Wie aber können wir historische Fankulturen ab dem 19. Jahrhundert erforschen? Welche Quellen erlauben Aufschlüsse über diese? Mit welchen Methodologien sind diese erschließbar? In dem gemeinsamen Seminar der Medienkulturwissenschaft und der Skandinavistik wollen wir uns der Fanforschung vor allem aus einer quellenhistorischen Perspektive annähern und Quellen wie Briefe, Scrapbooks, Postkarten oder Memorabilia historisch-ethnographisch befragen. Nach ca. zwei-drei einleitenden Sitzungen zur Kurszeit, in denen in die Forschung zu historischen Fankulturen und ihre Forschungsprobleme eingeführt wird sowie Aufgaben zur Bearbeitung verteilt werden, treffen wir uns am 9. Mai zu einem Tagesworkshop in den Räumlichkeiten des Erich-Auerbach-Institutes im Weyertal 59 (Rückgebäude, 2. OG). Auf diesem Workshop werden wir mit nationalen wie internationalen Koryphäen des Forschungsgebietes auf Englisch zentrale Forschungsprobleme erörtern. Das Seminar wird abgerundet mit ca. fünf Sitzungen wieder zur Kurszeit, auf denen wir die verteilten Aufgaben vor dem Hintergrund des Inputs durch den Workshop diskutieren werden.

Französische Philosophie der Postmoderne und ihre deutsche Genealogie – Sidonie Kellerer (Philosophie), Wolfram Nitsch (Romanistik)

Nach der Veröffentlichung von Jean-François Lyotards Essay La condition postmoderne im Jahre 1979 wurde das Schlagwort ‹Postmoderne› zum Erkennungszeichen bestimmter philosophischer Diskurse, insbesondere der französischen Theoriebildung, die heute vor allem mit den Namen Michel Foucault und Jacques Derrida assoziiert wird. Diese Veranstaltung fragt nach der ideengeschichtlichen Genealogie der philosophischen Postmoderne. Anhand einer Auswahl von Texten von Friedrich Nietzsche über Hannah Arendt bis hin zu Michel Foucault und Jacques Derrida werden wir Transformationen der deutschen Philosophie in der ‹französischen Theorie› untersuchen und dabei unter anderem Jacques Bouveresses These diskutieren, die postmodernen Denker seien «die objektiven Erben» des rechtskonservativen Nietzscheanismus Oswald Spenglers.

Fankulturen im Theater – Peter Marx (Medienkulturwissenschaft), Stephan Schröder (Skandinavistik)

Gibt es Fans im Theater, sei es von einzelnen Schauspieler:innen, von der Institution, von bestimmten Stücken oder von einzelnen Regisseur:innen? Gibt es zwischen Fantum mit seinen Praktiken und dem Theater eine relevante Schnittmenge, die uns hilft, sowohl die Geschichte von Fantum als auch die des Theaters besser zu verstehen? Erst in jüngster Zeit hat die Forschung begonnen, dieser Schnittmenge Aufmerksamkeit zu schenken: Fantum und Bühne, Fandom Studies und Theatre Studies wurden bisher nur selten miteinander in Verbindung gebracht. Das Seminar steht im Kontext einer internationalen Tagung mit dem Titel »Fans in the theatre? About unbeloved fannish spectators and theatre’s self-image 1860–1920«, die vom 23.–25.10.2024 in Schloss Wahn stattfinden wird. Der Besuch der Tagung ist für die Teilnehmenden des Seminars obligatorisch. Gerahmt wird die Tagungsteilnahme durch drei Sitzungen vor der Tagung, die in das Problemfeld einführen, sowie 1–2 abschließende Sitzungen, auf denen wir ein Resümee der Tagung ziehen wollen.

Masterklasse: Naturalismus - Torsten Hahn (Germanistik), Stephan Schröder (Skandinavistik)

Das Seminar wendet sich aus komparatistischer Perspektive klassischen Texten zu, die in Deutschland und Skandinavien im Kontext der Debatte um den Naturalismus diskutiert worden sind. Im Zentrum stehen programmatische poetologische Texte (u.a. Émile Zola, August Strindberg, Arno Holz) als auch Prosatexte und Dramen, die wir gemeinsam einem close reading unterziehen werden. Dabei wollen wir uns insbesondere mit den Forschungsfragen auseinandersetzen, inwiefern überhaupt von einem Naturalismus in Skandinavien gesprochen werden kann und welchen Stellenwert den intertextuellen Beziehung zwischen den skandinavischen und deutschen Texten zugemessen werden kann. Die Lehrveranstaltung wird in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Torsten Hahn vom Institut für deutsche Sprache und Literatur I abgehalten und richtet sich an Master- wie fortgeschrittene Bachelor-Studierende.

Georges Perec und die experimentelle deutsche Literatur - Nicolas Pethes (Germanistik), Wolfram Nitsch (Romanistik)

Das Werk von Georges Perec zählt inzwischen zum Kanon der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts, wie seine Aufnahme in die Bibliothèque de la Pléiade belegt. Aus den spielerisch-experimentellen Texten der Autorengruppe Oulipo ragen die seinen dadurch heraus, dass sie zugleich eine Kultursoziologie der Nachkriegsgesellschaft entwerfen und die für seine eigene Familie virulente Erfahrung der Shoah umkreisen. Schon früh wurden sie auch im deutschen Sprachraum produktiv rezipiert, manche sogar — wie etwa sein Hörspiel Die Maschine (1968) — extra für ihn verfasst. An ausgewählten narrativen und essayistischen Texten wird unser Seminar Perecs originelle Schreibverfahren, ihren kulturellen wie historischen Horizont und ihren Widerhall in der experimentellen deutschen Literatur erkunden. Besonderes Augenmerk soll seinen Werken Espèces dʼespaces (Träume von Räumen, 1974) und W ou le souvenir dʼenfance (W oder die Kindheitserinnerung, 1975) gelten. Daneben werden deutschsprachige Resonanzen mit dem oulipistischen Programm zur Sprache kommen: Neben Gedichten und theoretischen Überlegungen von Oskar Pastior, der gemeinsam mit Perec publiziert hat, wird das Seminar Aspekte der mathematisch-kombinatorischen Poetik bei Max Bense sowie der sprachmateriellen Experimente bei Franz Mon betrachten und die Konsequenzen dieser Ansätze in Erzähltexten von Thomas Bernhard und Marcel Beyer verfolgen.

Mimesis und Diegesis – Grundlagentexte der Erzähltheorie – Anna Bonifazi (Linguistik), Joachim Harst (Komparatistik)

Das Kolloquium bietet einen Rahmen, in dem fortgeschrittene Studierende und Doktorand:innen Grundbegriffe und Grundlagentexte der Erzähltheorie kennenlernen, diskutieren und in Bezug auf eigene Projekte weiterdenken können. Dabei wird ein besonderer Fokus auf die Begriffe Mimesis (Nachahmung) und Diegesis (Darstellung) in ihren verschiedenen historischen und theoretischen Ausprägungen von der Antike bis zur Postmoderne gelegt. Dabei ist uns wichtig, dass diese Begriffe (und Erzähltheorie im Allgemeinen) nicht nur für literarische Texte von Bedeutung sind, sondern auch für andere mediale Artefakte relevant sind. Daher werden wir im Kolloquium auch die Frage diskutieren, inwiefern nicht sprachbasierte Artefakte mit Begriffen der Erzähltheorie zu analysieren sind. Wir werden uns mit verschiedenen Medien wie Film, Theater, bildender Kunst und digitalen Medien auseinandersetzen und untersuchen, wie die Konzepte von Mimesis und Diegesis auf diese Medien angewendet werden können. Das Kolloquium wird in einer diskussionsbasierten und interaktiven Form stattfinden. Die gemeinsame Lektüre und Analyse der Grundlagentexte steht dabei im Mittelpunkt. Darüber hinaus wird Ihnen die Möglichkeit gegeben, eigene Texte vorzuschlagen, die wir dann im Seminar gemeinsam diskutieren können. Dadurch erhalten Sie die Gelegenheit, Ihre individuellen Interessen und Forschungsschwerpunkte einzubringen und diese im Kontext der Erzähltheorie und ihrer Anwendung auf verschiedene Medien zu beleuchten.

Intertextualität und Transkulturalität in der arabisch-islamischen und europäischen Literatur – Joachim Harst (Komparatistik), Stephan Milich (Orientalistik)

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit intertextuellen und transkulturellen Verflechtungen und Beziehungsgeschichten zwischen vormodernen und modernen literarischen Texten der arabischen und europäischen Kultur. Welche klassischen Stoffe, Formen und Motive wanderten über geografische Grenzen hinweg und fanden Eingang in moderne literarische Texte? Welche Wandlungen haben diese Stoffe in neueren Werken erfahren und welche weltanschaulichen, gesellschaftlichen oder persönlichen Bedingungen haben diese Veränderungen bedingt? Diese Fragen wollen wir anhand von konkreten Textlektüren bearbeiten. Wenigen ist bekannt, dass westliche „Klassiker” wie Dantes „Göttliche Komödie“ (1321) in einem Werk von Al-Ma’arri, dem „Sendschreiben über die Vergebung“ (11. Jhdt.), einen Vorläufer findet, wie auch Defoes „Robinson Crusoe“ (1719) Beziehungen mit Ibn Tufail's Hayy ibn Yaqzan („Der Philosoph als Autodidakt“, 12. Jhdt.) unterhält. Für das 20. Jahrhundert wäre beispielhaft der argentinische Autor J.L. Borges zu nennen, der regelmäßig auf Attars „Parlament der Vögel” zurückgreift, um diese vormodern-mystische Allegorie zu einem Grundtext seines „literarischen Pantheismus” umzugestalten. Der Verweis auf einen arabischen Schriftsteller dient dem Argentinier dabei auch dazu, seiner literarischen Selbstdarstellung den Anstrich des Universalen zu geben. So wollen wir vergessene, unbekannte oder unbenannte „Ursprünge” der kulturellen Moderne Europas offenlegen und ihre Entstehung und Wandel besser verstehen. Dazu ziehen wir literatur- und kulturtheoretische Ansätze der „postcolonial studies”, der Inter- und Transkulturalität sowie der Reise- und Migrationsforschung hinzu. Mit Blick auf jeweils konkrete Beispiele wollen wir schließlich auch Theorie und Praxis komparatistischen Arbeitens reflektieren.

Literatur- und sprachwissenschaftliche Abschlussarbeiten – Anna Bonifazi (Linguistik), Joachim Harst (Komparatistik)

Das Kolloquium setzt die Zusammenarbeit zwischen der Kölner Komparatistik und Linguistik fort und ist in diesem Semester als Master- und Doktorandenkolloquium konzipiert. In einzelnen Sitzungen stellen Master- und Doktorstudierende ihre (begonnenen oder abgeschlossenen) Projekte vor und zur Diskussion. Dabei können auch allgemeine Fragen zu Ablauf und Organisation der Masterphase geklärt werden. Darüber hinaus wird das Programm durch thematisch gebundene Lektüresitzungen sowie einzelne Gastvorträge von internationalen WissenschaftlerInnen bereichert. Das übergeordnete Interesse besteht darin, Parallelen und Unterschiede zwischen vergleichendem literatur- und sprachwissenschaftlichem Arbeiten zu erkunden. Die Beiträge können auf Deutsch oder Englisch vorgestellt werden, in der Diskussion können in der Regel beide Sprachen verwendet werden.

The ties that bind? – Living (ancient) history in the US and Germany (23.-27.08.2021, rein virtuelle Veranstaltung) – Anja Bettenworth (Klassische Philologie), Joachim Harst (Komparatistik)

Die summerschool findet in Kooperation mit der University of Kentucky und der Pennsylvania State University statt und bietet einen vergleichenden Einblick in den Umgang mit dem antiken Erbe in Deutschland und den USA. An ausgewählten Beispielen (u.a. Varusschlacht, Schlacht von Gettysburg) werden unterschiedliche Techniken der Aneignung und der "Nutzung" antiker Überlieferung beleuchtet. Unter anderem fragt die summerschool danach, welche Rolle die Antike in aktuellen politischen Debatten beider Länder spielt. Thematisiert wird auch die museale Präsentation antiker Funde, ebenso wie die Rolle der Antike für das Selbstverständnis der afro-amerikanischen Bevölkerung in den USA und der jüdischen Gemeinde von Köln, die erstmals im Jahr 321 nach Chr. in den Quellen erwähnt wurde. Weiterhin dient die summerschool dem wissenschaftlichen Austausch zwischen deutschen und amerikanischen Studierenden und Lehrenden.

Indizien und Paranoia: Kriminalromane zwischen Literatur und Wissenschaft – Joachim Harst (Komparatistik), Wolfram Nitsch (Romanistik)

Seit Carlo Ginzburgs Rede von einem «Indizienparadigma» des 19. Jahrhunderts weiß man, dass Geisteswissenschaften, Kriminalistik und Detektivgeschichten epistemologisch und historisch nahe verwandt sind. Die klassischen Detektive sind virtuose Leser von Zeichen, während einflussreiche Denker der Zeit – Marx, Nietzsche und Freud – sich einer detektivischen «Hermeneutik des Verdachts» (Ricoeur) bedienen, um unter die Oberfläche der Wirklichkeit zu dringen. Auch im 20. Jahrhundert inszenieren sich Geistes- und insbesondere Literaturwissenschaftler gerne als Detektive, wenn sie etwa im Sinne der amerikanischen «critique» Texte auf ihre Komplizität oder Subversivität gegenüber bestehenden Machtstrukturen befragen. Doch ist die detektivische Lektüre in der letzten Zeit auch in die Kritik geraten, wie sich etwa an Rita Felskis Forderung einer «post-kritischen» Lektüre zeigt. Ausgehend von diesen Beobachtungen soll im Seminar umgekehrt gefragt werden, wie wissenschaftliches Lesen in modernen und postmodernen Detektivromanen dargestellt wird. Denn es ist auffällig, wie viele Texte des Genres — von Borges über Nabokov bis hin zu Auster und Piglia — die Nähe zwischen Detektiv und Leser dazu nutzen, wissenschaftliche Formen des Lesens und Schreibens zu thematisieren und die akademische Welt mit einem kritischen Blick zu betrachten. Ein dabei wiederkehrendes Thema ist die Frage, wie nahe der professionelle Verdacht — jedes Zeichen kann trügerisch sein, muss also hinterfragt werden — der Paranoia steht, so dass Sinngewinn mit Realitätsverlust bezahlt werden muss. Zugleich geben gerade postmoderne Detektivgeschichten Einblicke in die affektiven Bindungen zwischen Dingwelt, Zeichen und LeserInnen, die auch für WissenschaftlerInnen so wichtig sind.

Medienkomparatistik – Joachim Harst (Komparatistik), Stephan Packard (Medienkulturwissenschaft)

Einige Jahrzehnte lang wurde die Komparatistik, die vergleichende Auseinandersetzung mit kulturellen und künstlerischen Artefakten, als eine Dach- oder Teildisziplin der Philologien verstanden: Als ‚allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft’. Über ein engeres Verständnis von Literatur ging sie aber schon immer hinaus: Zum einen als Patin der modernen Medienwissenschaft, wo diese sich als Medienphilologie ausdifferenziert hat. Zum anderen aber auch in den systematischen Überlegungen und den historisch frühen Grundlegungen, die immer schon medienübergreifend und -vergleichend gearbeitet haben (z.B. Theateraufführung wie Dramentext betrachtet, Bild- wie Gedichtinterpretationen betrieben, und die Ästhetik von Architekturen, bildender und musischer Kunst mit der Betrachtung sprachlicher Strukturen zusammengeführt haben).   Eine Medienkomparatistik begegnet heute in mindestens zwei Verständnissen: als zwischen Kulturen, Sprachen und Gattungstraditionen und insofern komparatistisch angelegte Medienkulturwissenschaft; und als medienvergleichende Wissenschaft, die etwa Schrift- und Performanzkulturen, Bild- und Textmedien oder Buchdruck- und Internetgesellschaften komparativ betrachtet.  Aus einer genuin medienkulturwissenschaftlichen Sicht erweisen sich diese beiden Ansätze jedoch als konvergent: Es gibt keine kulturelle Differenz ohne mediale Distinktionen, und keinen Medienunterschied, der bloß technisch oder bloß gattungsmäßig erklärbar wäre. Spätestens für die medienkonvergenten und glokalisierten Kommunikationserfahrungen des 21. Jahrhunderts wird diese Perspektive unverzichtbar. In diesem Sinne bietet die interdisziplinäre Vorlesung einen Einblick in die Systematik, die Geschichte und in einzelne Verfahren einer Medienkomparatistik: In die Disziplingeschichte des Vergleichens von Aristoteles über die Theoriebildung der Weltliteratur und die Geschichte der Weltentdeckung, der (Post)kolonialen Medialität bis in die moderne globale Ver- und Entnetzung; in die Systematik des Vergleichens, seine Methode, seine Praxis, und sein Ethos; und in medienkomparatistische Verfahren wie die Adaptions-, die Inter- und Transmedialitätsforschung, die medienübergreifende Kunst des Verstehens als Text- und Bildhermeneutik, und die Auseinandersetzung mit literarischer und medialer Vielsprachigkeit.

Konventionalität: Soziale Praktiken in der Literatur der Vormoderne – Udo Friedrich (Deutsche Sprache und Literatur), Monika Schausten (Deutsche Sprache und Literatur)

Konventionen oder Gewohnheiten bezeichnen jene auf Wiederholung basierenden Handlungs- und Verhaltensmuster, die das soziale Leben menschlicher Gemeinschaften unterhalb des Gesetzes strukturieren. Sie sind sozial akzeptiert und für alle, die sich ihrer bedienen, verfügbar. Wie selbstverständlich dienen sie uns als Regulatoren des Alltäglichen, und es ist gerade dieses Gegebensein konventionalisierter Handlungspraktiken, auf der die Stabilität von Gesellschaft gründet. Doch ist das Konventionelle so gesehen auch besonders beharrlich, so ist es zugleich auch Prozessen der Dynamisierung unterworfen: Konventionen sind zwar häufig von langer Dauer, doch unterliegen auch sie Veränderungen, indem sie modifiziert oder ausdifferenziert, sanktioniert oder verworfen werden können. Im Mittelpunkt des Seminars steht in diesem Kontext die Frage danach, wie die Erzählgattungen der mittelalterlichen Literatur die Dynamisierung von Konventionalität inszeniert. Zu Beginn des Seminars wird durch die Lektüre ausgewählter Forschungsarbeiten (Reckwitz, Bourdieu, Reberg, Strohschneider etc.) im Seminargespräch ein theoretisch-methodischer Referenzrahmen erarbeitet, der die Arbeit an den Texten leiten soll. An ausgewählten Textbeispielen der mittelalterlichen Erzählliteratur soll sodann einerseits den Poetisierungen sozialer Praxis an unterschiedlichen Sujets nachgegangen werden. Andererseits soll die Literatur selbst als ästhetische Konvention perspektiviert werden.

Chinesisch-deutsche Vergleiche transkultureller Medienlektüren – Joachim Harst (Komparatistik), Stefan Kramer (Chinastudien)

Das Seminar wird in Kooperation mit dem Studiengang Komparatistik durchgeführt. Es strebt mit Blick auf seine methodische Interdisziplinarität und  gegenständliche Heterogenität eine kritische Einführung in die Problematik von Universalität und Spezifik kultureller Gegenstände an. Grundlage dafür wird ein gemeinsames “Close Reading” von ausgewählten Gegenständen unterschiedlicher Medien sein. Weiterführende theoretische und kulturhistorische Literatur aus dem chinesisch- und dem deutschsprachigen Raum wird ergänzend herangezogen. Zu den Fragen, die im Seminar behandelt werden, zählt u.a. das Verhältnis zwischen Medium, Schrift und Lektürepraxis: Inwiefern prägen unterschiedliche Medien und Schriftarten unterschiedliche Lesepraktiken aus? Was kann “Lesen” in der europäischen und in der chinesischen Kulturgeschichte bedeuten? Können auch nicht-schriftliche Artefakte gelesen werden? In diesem Sinne werden auch weiterführende Erkenntnisse über „chinesische“ vs. “deutsche” Semantik/Ästhetik im Spannungsfeld zwischen der allgemeinen materiellen Apparativität der jeweiligen Medien und den spezifischen kulturellen sowie ästhetischen Gestaltungen in China und Deutschland erzielt werden, um diese an die jeweiligen kulturellen und sozial-politischen Herleitungen und Umwelten anzulegen.

Detektive – Lesen. Linguistische und literaturwissenschaftliche Aspekte – Anna Bonifazi (Linguistik), Joachim Harst (Komparatistik)

Einerseits laden Detektivgeschichten Leser implizit dazu ein, in die Rolle von Detektiven zu schlüpfen. Insbesondere sollen sie schrittweise Informationen sammeln und nach und nach herausfinden, wer wer ist, wobei sie häufig durch irreführende, falsche oder einfach fehlende Hinweise behindert werden. Linguistische Analysen von Detektiverzählungen und ihre implizite ihrer Lesersteuerung berücksichtigen dabei z.B. die mehrfachen Hinweise auf die beteiligten Personen (anaphorische Ausdrücke) am Beispiel von kurzen Detektivgeschichten von Christie, Conan Doyle und Chesterton. Statt mechanisch und langweilig zu sein, geben diese Verweise interessante implizite Informationen nicht nur über die Entwicklung der Handlung, sondern auch über die verschiedenen Perspektiven und die Identität der Figuren. Anderseits können Detektive selbst als Leser verstanden werden, deren Arbeit in einem mehr oder weniger mühsamen Entziffern von Zeichen besteht. Daher kann man an sie die Frage richten, was man von ihnen über das Lesen lernen kann. In diesem Zusammenhang könnte z.B. die Rolle rhetorischer Figuren für das Lösen von Fällen und Konstruieren von Beweisketten untersucht werden (vgl. etwa Carlo Ginzburgs These, Metonymie und Metapher seien als die Grundoperationen des detektivischen Lesens zu begreifen). Daneben fragen postmoderne Detektivgeschichten von Borges bis Auster häufig nach epistemologischen, subjekttheoretischen und metaphysischen Konsequenzen des detektivischen Lesens. Und schließlich gibt es auch Detektivgeschichten, die Lesen, Schreiben und weitere philologische Techniken (Korrigieren, Kommentieren, Edieren) explizit thematisieren. Das Kolloquium zielt auf einen interdisziplinären epistemologischen, kognitiven und metatextuellen Dialog über diese Themen.

Ligne Claire – Wolfram Nitsch (Romanistik), Stephan Packard (Medienkulturwissenschaft)

Der von dem Belgier Hergé geprägte Zeichenstil der ligne claire hat nicht nur die franko-belgische Tradition der bande dessinée nachhaltig beeinflusst, sondern in neueren Comics, Manga und graphic novels auch andernorts deutliche Spuren hinterlassen. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts haben die klaren Konturen, flächigen Farben und graduell cartoonisierten Figurenkörper der ligne claire weit über eine Zeichenschule hinaus Vorstellungen von einer allgemeinen Ästhetik des Comics geprägt. Die episodenhafte und abnehmend komische Aben¬teuer¬erzählung demonstriert die transmediale Aneignung populärer literarischer Formen und gibt ihrerseits Vorlagen für weitere Adaptionen und Fortschreibungen. Die teils vermiedene, teils gesuchte Politisierung von Plot und Personendarstellung verleiht den Alben der ligne claire ein heterogenes und nicht immer unbedenkliches Profil. In unserem komparatistisch ange¬legten Seminar sollen klassische wie aktuelle Beispiele dieser Stil¬richtung im Hinblick auf ihre medialen Besonderheiten, ihre narrativen Strukturen und ihre historisch-kulturellen Impli¬kationen besprochen werden. Auf dem Programm stehen Alben von Hergé, Edgar Jacobs und Yves Chaland, aber auch von Eric Heuvel, Jason Lutes, Sarah Glidden, Rutu Modan und Chris Ware. Französischkenntnisse sind willkommen und nützlich, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Automobilität und Automobilismus: Praktiken, Diskurse, literarische und filmische Inszenierungen – Wolfram Nitsch (Romanistik), Stephan Michael Schröder (Skandinavistik/Fennistik)

Das Automobil rief nicht nur von Anfang neue kulturelle Praktiken und Diskurse hervor, sondern fand bald auch Eingang in Literatur und Kino. Dort erschien es als Garant individueller Mobilität und Freiheit, als Vehikel dynamischer Raumerfahrung oder rauschhafter Beschleunigung, aber auch als Prestigefetisch, Todesmaschine und Hypostasierung einer abzulehnenden Moderne. Ausgehend von aktuellen Theorien der Mobilität und des Raumes sollen diese und andere Facetten von Automobiliät und Automobilismus an ausgewählten Texten und Filmen aus den romanischen und skandinavischen Kulturen besprochen werden.

Pop = Pop? Vergleichende Perspektiven auf Popliteratur (D/USA) – Hanjo Berressem (American Literary and Cultural Studies), Torsten Hahn (Deutsche Sprache und Literatur)

Im Seminar diskutieren wir, aus einer dezidiert komparatistischen Perspektive, Literatur, die dem Genre ‚Pop' zugerechnet wird. Es geht, neben der formalen und inhaltlichen Erschließung der Texte sowie deren Kontextualisierung (u.a. durch bildende Kunst und Film) insbesondere auch um die Beobachtung von  Verwandtschaft (durchaus im genealogischen Sinn) und Differenz der Arbeiten.

Ancient Myths in Modern Art: Comparative Perspectives on Micro and Macro Structures – Anna Bonifazi (Linguistik), Joachim Harst (Komparatistik)

Ancient myths are omnipresent in 20th and 21st century literature and art. In this colloquium scholars from comparative literature and linguistics as well as from related disciplines will present their research on the subject. Both myths in ancient cultures and the history of their reception in the arts will be addressed. In addition to the detailed analysis of individual myths (e.g. the hero's return home), the comparative examination of mythical figures and their reception (e.g. Orpheus) as well as the macrostructural view of Indo-European mythology will be discussed. Students can take this opportunity to present and discuss their own research projects within the (broad) framework of myth reception.

Komparatistische Lehrprojekte aus der Vergangenheit

Seminar: Postkoloniale Theorie und Literatur (Saskia Kroonenberg) Wintersemester 2021/22

Postkoloniale Theorie und die persönliche Inventur Saskia Kroonenberg In Orientalism (1979) hat Edward W. Said die persönliche Dimension des geisteswissenschaftlichen Wissens betont. Dazu hat er Antonio Gramsci zitiert: “The starting point of critical elaboration is the consciousness of what one really is, and is ‘knowing thyself’ as a product of the historical process to date, which has deposited in you an infinity of traces, without leaving an inventory” (25). Deshalb sollte man immer eine persönliche Inventur durchführen und Said schreibt, dass “[i]n many ways my study of Orientalism has been an attempt to inventory the traces upon me, the Oriental subject, of the culture whose domination has been so powerful a factor in the life of all Orientals” (25-26).

Im Rahmen des Seminars „Postkoloniale Theorie und Literatur“ haben die Studierenden auch eine persönliche Inventur durchgeführt, auf poetische, historische, theoretische, und autobiographische Arten. Einige dieser faszinierenden Texte sind im Folgenden zu finden: Maria Vitoria Simião França’s Gedicht “To know thyself, to know myself,“ Jelena Ćulum’s kulturelle Betrachtungen zum Thema, die historisch begründete Ausarbeitung von Konca Manav und die persönlichen Überlegungen von Milena Sous.

Kroonenberg_Postkoloniale Theorie_Studienleistungen.pdf

Projekt: Weltentdeckung und Weltliteratur – Komparatistik im Museum Sommersemester 2021

Das Projekt „Weltentdeckung und Weltliteratur – Komparatistik im Museum“ widmete sich komparatistischen Fragestellungen und Arbeitsweisen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Vermittlung. Für das Projekt arbeitete die Kölner Komparatistik mit dem Museumsdienst Köln zusammen, um eine komparatistische ‚Entdeckungstour‘ zum Thema „Weltentdeckung und Weltliteratur“ durch die ethnologische Dauerausstellung des Rautenstrauch-Joest-Museums ‒ Kulturen der Welt zu erstellen.

Im Rahmen eines Workshops entwickelten Studierende des Masterstudiengangs Komparatistik einen intermedialen und interaktiven Museumsguide, der die komparatistischen Grundbegriffe ‚Weltentdeckung‘ und ‚Weltliteratur‘ in Auseinandersetzung mit der Ausstellung des Museums reflektiert und so Nutzer*innen ermöglicht hat, Forschungsinteressen der Komparatistik kennenzulernen bzw. eigenständig weiterzuverfolgen. Damit sollten zudem die gesellschaftliche Relevanz sowie die vielfältigen Anwendungsbereiche komparatistischer Forschung innerhalb und außerhalb der Universität sichtbarer gemacht werden.

2021 wurde in Kooperation mit der Fachschaft Komparatistik der Universität zu Köln ein komparatistischer Science-Slam veranstaltet, in dem Studierende ihre Forschungsinteressen zum Thema „Weltentdeckung und Weltliteratur“ präsentiert haben.